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Tag des Herren und auch Damenmode

Performance

Modenschau

Bremen, 11.02.2013
Villa Ichon
Wintersemester 2012/2013

"Tag des Herrn und auch Damenmode" nannten die Studierenden der HfK-Bremen ihre sonntägliche Mode-Inszenierung in der klassizistischen Villa Ichon. Die Jung-Designer fanden einen selbstironischen und dennoch respektvollen Umgang mit dem Widerspruch zwischen der grossbürgerlichen Pracht der Lokation und ihren unkonventionell-eigenwilligen Outfits. Die Studenten und ihre Modelle verwandelten die Villa in einen Parcours mit Tableaux Vivants (lebende Bilder), der die Gebräuche und oft erlebten Höhen und Tiefen des Ruhetags am Wochende reflektierte. In Anlehnung an den morgendlichen Schwebezustand zwischen Traum und Erwachen tauchte schummriges Licht die Entwürfe im Erdgeschoss in unheimliches Halbdunkel. Von Geschoss zu Geschoss wurde es dann zunehmend heller.
In der ersten Etage fand der Besucher keinen ordentlich gedeckten Frühstückstisch, sondern ein mit stumm blickenden Menschen bestücktes Podest. Dort boten elektronische Musik und erstaunliche Entwürfe einen Augen- und Ohrenschmauß zum Tagesbeginn. In einem kleinen Erker verbreitete eine Frühsport-Truppe unbeschwerte Leichtigkeit: Zu Aerobic-Klängen zappelten Modeathleten schräge Yogapositionen. Farbig bedruckte Oberteile, Shorts und Leggings funktionierten ganz ohne sportliche Selbstoptimierung. Im nächsten Raum erinnerten Modelle in strengen Outfits und mit ernsten Gesichtern an Kirchgänger. Auf der Treppe zum zweiten Stock und im grossen Salon lungerten Übriggebliebene, die noch von der Feier der letzten Nacht gezeichnet schienen. Ein DJ im Morgenrock animierte die Unermüdlichen. In einem unerwarteten Wetterhäuschen im Flur drehten sich auf einer Holzplattform zwei Männer, deren Mieder mit Muskeldekolletees Geschlechterklischees auflösten.
Die Besucher hielten sich nicht notwendigerweise an den erdachten Rundgang. Sie fielen ihrerseits gewollt aus dem Rahmen und schlurften mit filzbesohlten Schuhüberzügen kreuz und quer über das denkmalgeschützte Parkett. Im eigenen Tempo und auf eigenen Wegen beurteilte das Publikum die Qualität einzelner Modelle von Nahem oder überliess sich flanierend privaten Assoziationen zu den Ritualen des an diesem Morgen so gar nicht heiligen Sonntags.
So unterschiedlich die Entwürfe der 18 Designer waren: Die Inszenierung in der Villa Ichon demonstrierte, dass Mode auch mit ihrem Imperativ der Individualität eine Gemeinschaftsproduktion ist. Dafür standen auch die 85 Modelle – Bekannte und Freunde der Studierenden. Diese Gemeinschaft knöpfte sich im kreativen Trubel Konventionen vor und hielt sich in fröhlicher Begegnung fest an dem Stoff, aus dem die Mode ist.